Badetag in Ersingen - trotz Schneeflocken (Autor Franz Glogger, SWP Ehingen)07.04.2015

Die reine Badefreude sieht anders aus. Etwa 15 junge Mitglieder der DLRG-Ortsgruppe Oberdischingen-Erbach haben gestern ihren inneren Schweinehund überwunden und beim Anbaden mitgemacht.

Aus dem bedeckten Himmel rieselten gelegentlich Schneeflocken, das Quecksilber verharrte tief im einstelligen Bereich. Es gibt angenehmere äußere Bedingungen fürs Ostereiersuchen. Trotzdem hatten die Kinder und Jugendlichen der DLRG-Ortsgruppe Oberdischingen-Erbach einen Heidenspaß daran. Zudem warteten drinnen warmer Kakao, Tee und Kuchen.

Doch dafür hatte die Gruppe um Jugendleiter Julian Steinborn gestern nicht die rechte Muße. Schließlich stand der eigentliche Härtetest noch bevor: das traditionelle Anbaden. Sechs Grad Wassertemperatur hatte der Jugendleiter gemessen und festgestellt: "Uijuijui!" So kühl war es schon lange nicht mehr. Ein Rückzieher kam für den 18-Jährigen aber nicht in Frage: "Also, los geht's!", rief Steinborn und spurtete in den Kindersee, gefolgt von etwa 15 jungen DLRGlern.

Der zu erwartenden Kälte begegneten sie mit unterschiedlichen Techniken: mit eingezogenem Bauch, zusammengebissenen Zähnen, Schweben auf Zehenspitzen, um die empfindliche Zone um die Hüften möglichst lange vor dem Frostschock zu bewahren. Wer sich um das Ganzkörpereintauchen drücken wollte, wurde schonungslos nassgespritzt. Kaum hatten die furchtlosen Schwimmer das Ufer erreicht, ging es über den Weg und mit einem Sprung in den eigentlichen Badesee.

"Gut war's", behauptete der jüngste Anbader Julian nach dem Umziehen und biss in ein großes Stück Kuchen. Bereits zum zweiten Mal hatte sich der Siebenjährige der Herausforderung gestellt. Das Eintauchen sei schon ein Schock gewesen, gaben Charlotte und Tatjana zu. Die beiden 17-Jährigen hatten zwar ebenfalls bereits Erfahrungen gesammelt, doch dieses Mal war es schon "seeeehr kalt", sagten sie unisono. Doch keiner der Teilnehmer hatte die Erfrischung auch nur ein Sekunde bereut. "Mitzumachen ist selbstverständlich", befand Jugendleiter Steinborn.

Erfunden hatte das Anbaden sein Vater Uwe 1985. Damals habe ein Berichterstatter der SÜDWEST PRESSE bei der Ostereier-Suche vorbeigeschaut, aber angesichts einer geschlossenen Schneedecke wissen lassen, dass ein Bericht wohl sinnlos sei. Da sei ihm eine Idee gekommen, erzählte Uwe Steinborn: "Und wenn ich in den See springe, gibt es dann einen Artikel?" Klar, habe die Antwort gelautet. Also raus aus den Klamotten, rein in die Badehose und abgetaucht. Und so wurde die Sache zur Tradition.

FRANZ GLOGGER
07. April 2015

 

 

Baden bei sechs Grad erfordert Überwindung (Autor Frau Körner) Schwäbische Zeitung 07.04.2015

Ersingen sz Ihre Zuschauer haben sich dick in Anoraks und Schals eingemummelt, die mutigen Schwimmer der DLRG Oberdischingen/Erbach haben am Ostermontag nur in der Badehose oder im Badeanzug den ersten Sprung in den Ersinger Badesee gewagt.

Bei sechs Grad Wasser- und vier Grad Lufttemperatur war das am diesjährigen Ostermontag nicht der reine Spaß, aber die Mitglieder der DLRG waren eisern, am Ostermontag wird angebadet – das ist bei ihnen Tradition. Schlotternd liefen Nico, Robin und Simon noch mit ihren Handtüchern umgehängt herum, sie hatten das schon mehrfach bei eiskaltem Wasser gemacht und wussten, wie es sich gleich anfühlen würde.

Der jüngste Schwimmer, der siebenjährige Julian wartete dagegen nur in der Badehose, bis die Mama ihm die Jacke umhängte. Charlotte und Tatjana, die eine mit Flip-Flops zum Badeanzug, die andere mit Winterstiefeln, hatten auch schon einschlägige Erfahrungen. „Bisher habt ihr das überlebt“ lästerten die warm eingepackten Kameraden. „Wagen wir uns ins Wasser, gönnen wir es uns“, rief einer der mutigen Schwimmer und stürzte sich voran in den kleinen Badesee, die anderen hinterher.

Auch das ist Tradition, zuerst badet man in dem kleinen Gewässer hinter dem DLRG Heim, anschließend wird zum großen Badesee gesprintet und dort gebadet. Doch zum Warmwerden war der kurze Sprint auch nicht geeignet.

Ausgiebig geschwommen ist von den mutigen Schwimmern am diesjährigen Ostermontag allerdings niemand, schon sehr bald waren sie wieder am Ufer zurück und griffen zum wärmenden Handtuch. Auf die Frage, wie denn das erste Bad gewesen sei, gab es eine einhellige Antwort von allen Schwimmern: „Kalt war es – was sonst?“

Zuvor hatten rund 20 Kinder rund um das DLRG Heim Ostereier gesucht